Mittwoch, 8. März 2017

Woche 28&29... Schnee, Kälte und Sportferien

Hey guys,

Jetzt, wo ich wieder WI-FI habe und auf meiner klein-großen Insel bin, die ich bereits seit knapp 8 Monaten mein Zuhause nennen darf, möchte ich euch berichten, was in den letzten Wochen so los war.

Beginnen wir doch mal damit, dass ich die Nase voll von Schnee habe. Schnee ist ja schön und gut. -Ich freue mich eigentlich über viel Schnee, aber jetzt ist mal gut. Vor den Sportlov -die letze Woche waren- wurde es immer mal wieder wärmer auf Gotland, man konnte im warmen Pullover rausgehen ohne übermäßig zu frieren und jetzt liegt auch hier wieder ein paar Flocken Schnee. -Aus den paar Flocken wurde jetzt wieder eine vorweihnachtliche Winterlandschaft wie sie im Buche steht ._.
Nein, einfach nein.
Stopp damit!
Blick aus Ebbas und meinem Zimmer
Ich war in den Sportferien in Fjällvålen -ein Skigebiet im Norden von Schweden in der Nähe von Idre, einem der größten, wenn nicht sogar das größte Skigebiet in Schweden und ja, da lag logischerweise viel Schnee, ich durfte ihn mehrfach von ganz nahem beobachten -ob jetzt, weil ich mich beim Langlaufski hingepackt habe, oder weil ich versucht habe einen Schneeengel zumachen und dabei mehr im Schnee versunken bin, als alles andere.


Aber jetzt kann doch bitte mal gut sein! Ich habe keine Lust mehr Schnee an den Schuhen zu haben, weil die Wolken, Temperaturen und sonst wer beschlossen haben Schnee auf die Erde rieseln zu lassen. Müsste jetzt nicht mal irgendwo anders Winter werden auf der Welt?
Haben die da oben nichts besseres zu tun? Frau Holle -Stopp mit den Federkissen! Geh' doch bitte mit der Zeit und greif' für jetzt zu Kunstfaserkissen oder nimm bitte ein anderes Fenster!

So und jetzt können wir zu meinen Sportferien kommen, nachdem das mal gesagt wurde. Sie waren eigentlich ganz schön -ich bin zwar froh wieder zuhause zu sein, in die Schule zu gehen und nicht mehr von so vielen Menschen umgeben zu sein, aber es war schön.
Langski ist definitiv eher meins als Slalom -"Wer bremst verliert.", in dem Fall ist es anders rum und Bremsen war bisher bei keinem Sport mein Ding. Langlauf ist daher wie gesagt eher etwas für mich, wenngleich ich mir nicht sicher bin, ob es je meine Lieblingsbeschäftigung werden würde -wohl eher nicht. Ich bleibe dann im Winter doch lieber bei Schlittschuhen und Schlitten.
Aber danke für die Erfahrung.


Selbiges gilt für Eisfischen (Gibt es einen Fachbegriff dafür? :D). Es war interessant, wenn auch unglaublich kalt. Aber es war lustig auf einem zugefrorenen See zu sitzen, neben einem kleinen Loch, in dem das Wasser so dunkel wie sonst was war und man nicht mal das Ende des Loches sehen konnte.
Seht genau hin! 



Mein Highlight der Ferien war aber wohl doch der Tag, an dem ich mit meinem Gastvater unterwegs war, um Rentierfleisch abzuholen -beziehungsweise ein ganzes Rentier in viele Teile zerstückelt, gehackt und sonst was. Auf dem Rückweg zum Ferienhaus habe ich nämlich ELCHE gesehen!!! Ja, richtige Elche. Erst haben wir nur einen gesehen und dann war da aber doch noch ein zweiter. Mein Gastvater ist extra stehen geblieben, damit ich sie eine Weile beobachten und fotografieren konnte. Er meinte, es waren allerdings eher sowas wie "Teenager", sie waren also noch nicht ganz ausgewachsen. <3



Vi ses snart,

Lea

Samstag, 18. Februar 2017

Woche 27... dumme Fragen, dumme Menschen und genervte ATS

Hey guys, 

ich habe schon wieder einen Post auf Facebook gefunden, die mir aus der Seele spricht. Dieses Mal geht es allerdings nicht um Zitate und auch eher weniger ums Reisen, sondern wirklich um das exchange student-sein. 

Die Seite ist auf englisch und ich werde hier die Punkte übersetzen, verkürzen und vielleicht auch das ein oder andere hinzufügen, was mir so passiert ist in den letzten Monaten und auch zuvor. 

Fragen, die man Austauschschülern einfach nicht stellen sollte...


Im Heimatland 


1. "Oh, ich bin so neidisch! Ich würde auch so gerne ein Jahr Ferien haben!"

Nehme ich auch. Wo bekomme ich das? Es heißt immer noch study abroad. Ich werde also damit zu tun haben, eine Sprache zulernen, mich anzupassen, Freunde zu finden, eine neue Familie anzunehmen und mich in eine neue Kultur einfügen.

2. "Ich würde auch so gerne ein Jahr ins Ausland gehen, aber ich würde meine Freunde und/oder meine Familie zu sehr vermissen, als dass ich sie ein Jahr lang nicht sehen könnte."

Freut mich für dich. Ja, ich hasse meine Familie und meine Freunde und um gotteswillen, als hätte ich Heimweh. -Was für ein Blödsinn. Sorry, aber jedem, von dem ich diesen Satz gehört habe, hätte ich den Kopf einschlagen könne. Ich und auch andere Austauschschüler -wir sind keine herzlosen Monster, ja es ist nicht ganz einfach und gewiss auch das ein oder andere Mal schmerzhaft, aber dennoch möchte ich diese Erfahrung nicht missen und alles hat nunmal seinen Preis.

3. "Aber warum Schweden?"

Warum den nicht? 90% von allen, die genau das gefragt haben, waren noch nie da. Die Schweden sind ein unglaublich freundliches Volk, mit einer -soweit ich das jetzt beurteile- tollen Kultur, interessanten Landschaften und was ist an Schweden anders, als an den USA, England oder Frankreich? Auch da hätte ich struggle mit der Sprache gehabt und so habe ich sogar noch die Möglichkeit eine komplett neue Sprache auf eine unglaublich tolle Art zu lernen. 

4. "Aber du gehst dann doch auf eine englische Schule, oder?"

Warum sollte ich? DU gehst in Deutschland doch auch auf eine deutsche Schule, wie soll ich denn eine Kultur und eine Sprache lernen beziehungsweise kennenlernen, wenn ich eine englische Schule besuchen würde? Schalte doch bitte deinen Kopf an, bevor du den Mund auf machst. Soll Wunder vollbringen. 

5. "Gehst du dann da zur Schule?" 

Nein, meine Liebe. Es heißt nur aus Spaß study abroad. Eigentlich meinen die das gar nicht so und du hast es eigentlich als einziger Mensch erfasst, ich werde nämlich ein Jahr Ferien haben!
*Bitte beachtet das große -von mir geschwungene- Ironieschlid!*

6. "Du lebst dann ja in einer anderen Familie..."

Aha. Ja, richtig. 100 Punkte an diese schlaue Person, bitte.
Ja, diesen Satz habe ich auch wirklich zu hören bekommen. Nie vollendet, einfach so. Was genau ich mit dieser äußerst schlauen und überhaupt nicht meine Zeit raubende Information anfangen sollte oder es soll, weiß ich bis heute nicht.  


Im Gastland

1. "Oh, in deinem Land macht ihr doch/tragt ihr doch/ seit ihr doch *random Vorurteil*!"

Trinken wir den ganzen Tag Bier, essen sonst was, leben in Lederhosen, Dirndln und sonstigen Trachten und hören nur Schlager? -Ich glaube nicht einmal Bayern wird dem gerecht. Also Nein. Einfach nein.

2. "Habt ihr *random Wort* in Deutschland?"

Nein. Wir leben hinter dem Mond, ich habe keine Ahnung was ein Second-Hand Laden ist, geschweige denn haben wir Käsehobel, Käsestücke, Brot oder sonst irgendwas. 
Uns trennt ein verdammtes Meer!! Natürlich haben wir ähnliche Dinge wie Schweden!!

3. "Du hast ja einen Akzent (gerne auch Grammatikfehler etc)."

Really? No shit, Sherlock. Wie dir vielleicht aufgefallen sein könnte, bin ich keine Muttersprachlerin, hilf' mir doch lieber mit meiner Grammatik und der Aussprache, als dich darüber lustig zu machen oder es mir mitzuteilen.

4. "Vermisst du deine Familie und/oder Freunde nicht?"

Doch, mehr als sich irgendwer vorstellen könnte, keinen kannst du direkt um Rat fragen, niemand, der dich einfach mal umarmt und dir Kraft gibt. Aber die Erfahrungen, Erinnerungen und Lernprozesse, die ich hier mache, könnte ich niemals in der Zeit und auf diese Weise in Deutschland machen. 


Quelle/Anregung: http://www.nationalityunknown.com/10-things-not-to-ask-or-say-to-an-exchange-student/

Da ich denke, ich muss hier nichts mehr zu sagen, 


Vi ses snart

Lea

P.s. Nächste Woche habe ich dann bis Mittwoch Schule, gefolgt von zwei Studiendag(en) und dann sind endlich Sportlovet. Ich werde Freitagabend mit meiner Gastfamilie losfahren und am Sonntag abends wieder kommen. Bin also die ganze Woche weg :o 

Donnerstag, 16. Februar 2017

Woche 25&26... Fun facts und Zitat

"Travel isn't always pretty. It isn't 
always comfortable. Sometimes it 
hurts, it even breaks your heart. But 
that's okay. The journey changes 
you- it should change you. It leaves 
marks on your memory, on your 
consciousness, on your heart, and on 
your body. You take something with 
you... Hopefully, you leave 
something good behind." 
-Anthony Bourdain

Hey guys, 

bevor ich mit dem Eigentlichen beginne, habe ich heute ein Zitat dabei. Dieses Zitat habe ich auf Facebook entdeckt und irgendwie hat dieser Anthony da was ziemlich schlaues gesagt. Aber jetzt zum Wesentlichen. Ich habe mich entschlossen heute mal ein paar Fun Facts (Die eigentlich nicht wirklich lustig sind..) niederzuschreiben, denn besonders in den letzten paar Wochen sind mir so einige Dinge hier auf Gotland aufgefallen. Also let's go! 

  • Wenn man am Östercentrum ("Einkaufsstraße" mit H&M, Espresso House etc.) trifft man mindestens auf ein Polizeiauto.
  • Zurzeit findet man täglich, wenn man die Augen aufhält einen einzelnen Handschuh -ohne Spaß auf dem Weg von meiner Schule zum Östercentrum kann man teilweise 3 oder 4 am Tag sehen. 
  • Bananenschalen liegen irgendwie auch immer welche rum. 
  • Leute, die hier wirklich auf dem "Land" wohnen -sprich nicht in Visby- beschweren sich darüber, dass man in Visby und näherer Umgebung die Sterne kaum sieht... Für deutsche Großstadtverhältnisse ist das der klarste Sternenhimmel schlecht hin, aber gut…
  •  Gotlandstaub -ja, dieses Wort existiert. Wer denkt, er kenne sich mit Staub und dessen Tücken aus, war noch nie auf Gotland. Das Zeug ist überall, in der Stadt, auf dem Land, an all deinen Hosen, Schuhen und besonders an alles Autos. Es ist als würde er einen attackieren und du kannst nichts dagegen tun. 
  • Jeder kennt jeden. Das ist vielleicht nicht nur auf Gotland so, aber man hat hier echt das Gefühl, dass jeder jeden kennt. Okay... vielleicht ist das ein bisschen übertrieben, aber meine Deutschlehrerin und ein Junge in ebendiesem Unterricht kennen meine Gastfamilie, meine Local Coordinator kennt meine Französischlehrerin und es gibt unglaublich viel Gossip hier. Wenn man die richtigen Leute fragt, erfährst du sehr interessante Sachen... ;) 
  • Gotland hat mehr Friseure als Einwohner. Klare Tatsache. Selbst Leute, die schon ihr Leben lang in Visby leben, können durch die Stadt laufen und neue Friseure sehen...
  • Die Menschen interessieren sich füreinander! Ich habe vorgestern einen kleinen Spaziergang gemacht und ein kleines Kalb gesehen, habe mir natürlich nichts dabei gedacht, auf dem Rückweg aber, als ich gerade in den Weg nach Hause abbiegen wollte, hält mich plötzlich eine Frau mit ihrem Auto an und will, dass ich meinem Gastonkel von dem neuen Kalb erzähle, weil sie denkt es wäre seine Kuh und er wüsste es vielleicht nicht. Wie creepy! Ich kannte diese Frau nämlich nicht und sie mich auch nicht... 

Das war’s dann erst einmal wieder von mir, aber weil ich mit diesem Eintrag ja so "superpünktlich" war, werdet ihr auf den nächsten hoffentlich nicht solange warten. 

Vi ses snart,


Lea

Mittwoch, 1. Februar 2017

Woche 24... Sleepover, Haare und Puzzle

Hey guys,

Samstag hatte ich das Haus für mich alleine. Naja, jedenfalls ein paar Stunden. Wieso? Ebba war in Stockholm übers Wochenende. Jesse wollte eigentlich schon zurück sein, seine Mutter hatte einen Unfall -ist irgendwie ungünstig gefallen. Er wollte eigentlich nur bis Sonntag bleiben, bleibt jetzt zur Sicherheit doch noch ein bisschen, um sie zu unterstützen. Karin war in Südgotland für... irgendein Treffen?! Auf jeden Fall, waren es nur die Katzen und ich. Eigentlich hatte ich genplant in Ruhe auszuschlafen und dann alles zu erledigen. Ähm ja, wach um 7:04. Aufgestanden um 7:24. Den Katzen etwas zu essen geben, duschen, CD-Player samt Disney-CD nach unten tragen und anmachen, Disney Musik mitsingen und anziehen. Saugen und weiter singen. Kirschkuchen backen, weitersingen, frühstücken, Raggmunkarteig machen, versuchen vierzehn Tasten in einer Reihenfolge auf dem Klavier zu lernen, alle wieder vergessen, kleine Zettelchen dran kleben, weiter singen und Klavier aufgeben, abwaschen und aufräumen, mit Lotte schreiben und dann fahre ich los. Mit dem Fahrrad und Musik (meine Random-Playlist- kein Disney) zu Fuß mit Gennaro und Lotte zurück. 



Zuhause angekommen wieder etwas gebacken, ein Kinderspiel gespielt, Musik gehört, noch mehr gebacken, Mittagessen, ein Puzzle machen und dann wieder zurück zur Bushaltestelle -zwei Fahrräder, Lampen, Wahnwesten im Gepäck- hin zu Fuß, zurück mit dem Fahrrad. Zuhause angekommen schälen und reiben wir Kartoffeln in den Raggmunkarteig, machen uns einen Kakao, beenden das Puzzle, entscheiden uns für einen Film und dann ist Karin wieder da. Sie isst und geht hoch, um zu arbeiten. Ein Teppich will fertiggestellt werden, wir machen uns etwas zu essen, essen dann, bauen mein Zimmer zu einem Sleepover-geeigneten Platz um, holen alles, was wir brauchen, starten den Film -nach dreihundert Fotos an alles und jeden, damit auch ja jeder weiß, was wir gerade machen -immerhin braucht jeder diese Information.



Am nächsten Morgen machen wir uns erst einmal Frühstück, Lottes Gastmutter und Gastschwester werden später zum Fika vorbeikommen und sie dann wieder mit nach Hause -nach Visby- nehmen. Wir räumen mein Zimmer wieder auf, hören dabei alte Musik -Beginnt bei Dirty Dancing Soundtrack, Endet bei I want it that way- und bereiten dann alles fürs Fika vor. Kirschkuchen, Schoko-Preiselbeeren-Küchlein und ein Beerenmix-Kuchen standen bereit, als wir Lottes Gastfamilie von der Straße abgeholt hatten und zum Haus geleitet hatten. Bald darauf sind Lotte und ihre Gastfamilie wieder gefahren, meine Gastmutter musste noch ein bisschen arbeiten und ich habe deshalb eigentlich ein Delfin-Puzzle mit 500 Teilen machen wollen... War ganz cool, bis auf die Tatsache, dass ich dann nach 2 Stunden aufgegeben habe, da einfach 200 Teile gefehlt haben -kein Scherz, die Hälfte des Randes war schon nicht dabei. Naja, nach dem Abendessen habe ich mich dann entschlossen einen Film zu sehen. Oz. Mit einer kleinen Kanne Wasser, einem Glas und einem Disneybecher voll warmer Schokolade und einer Decke habe ich es mir dann vor dem kleinen weißen Fernseher gemütlich gemacht. Tezz lag gemütlich auf einem der Sessel neben mir und nach einer kurzen Zeit hat sich auch Simon zu mir gesellt und es sich auf meinem Schoß gemütlich gemacht. Er mag mich!! :) Naja, zumindest ist er den ganzen Film über da liegen geblieben.

Diese Woche war ich endlich beim Frisör, da ich nach monatelanger Entscheidungsprobleme mich endlich für eine Länge entscheiden konnte, mit der ich zufrieden sein könnte und habe dann wieder den langgedachten Gedanken aufgegriffen mir ein Glätteisen zuzulegen. Beides habe ich am Montag dann endlich gemacht und ich bin so glücklich damit. Meine Haare sind wieder gesund und sehen irgendwie frisch aus -kennt das noch irgendjemand?




















Glätteisen und rosa Hitzespray sind also auch bei mir eingezogen und es ist, als hätte ich zum ersten Mal in meinem Leben die Kontrolle über meine Haare, was mich total glücklich macht. Am Donnerstag war dann mal wieder eine Mathearbeit dran -ich habe das Gefühl ich schreibe ständig Mathe in diesem Jahr... nichts anderes. Zudem hat am Dienstag endlich mein Steinkurs wieder angefangen. :) 



Vi ses snart, 

Lea 


P.S. Es tut mir total leid, dass der Eintrag so spät kommt, die Tage waren ein bisschen stressig und deshalb hat sich alles ein bisschen verzögert.

Samstag, 21. Januar 2017

Woche 23... Austauschschüler, eine ganz besondere Sorte Mensch

Hey guys, 

Austauschschüler. 

Ja, man trifft echt viele von dieser Sorte Mensch, wenn man selbst dazu gehört. Diese Sorte Mensch, die etwas komplett Neues wagt -dabei zwischen 16 und 17 Jahre alt ist- und sich in ein neues Land, eine neue Kultur, eine neue Sprache traut. Ja, von dieser Sorte Mensch durfte ich viele in den letzten Monaten und im vergangenen Jahr treffen. 
Ich bin gewiss keiner dieser anderen Sorte Mensch, die sich mit jedem unterhalten, immer als erstes etwas sagt und sich mit jedem und alles sofort versteht und anfreundet. Jeder der mich kennt, weiß, dass es eher das komplette Gegenteil ist. Ich bin froh, wenn ich von Menschen und Dingen umgeben bin, die gewohnt und vertraut sind. Ich hasse es Entscheidungen zu treffen und auf Menschen zugehen zu müssen, besonders auf einer anderen Sprache, aber auch im Deutschen tue ich mir schwer damit. 

Vor fast genau sieben Monaten hatten wir dieses Vorbereitungstreffen in Mannheim von DFSR. 
Ich habe mich mit den Leuten aus meinem Zimmer unterhalten, saß meistens bei ihnen, weil es einfacher war. Ich bin nie aufgesprungen, wenn sie einen Freiwilligen brauchten und habe versucht möglichst wenig aufzufallen -schlecht geeignet für eine Austauschschülerin, nicht wahr? 
Ja, das war wohl auch der Grund warum ich mir selbst beweisen wollte, dass ich auch anders kann, dass ich auf Leute zugehen kann, mich umgewöhnen und wohlfühlen kann -wenn ich wirklich will. Aber darum geht es mir gerade eigentlich gar nicht. 

Heute geht es mir wirklich um diese ganz spezielle Sorte Menschen, die vielleicht Jahr für Jahr mehrwerden und von denen ich -wie gesagt- im letzten Jahr so unglaublich viele treffen durfte. 
Diese Sorte Mensch bedeutet mir nämlich etwas, und das nicht nur, weil ich selbst zu ihr gehöre, nein. 
Diese ganz besondere Sorte Mensch bedeutet mir etwas, weil ich besonders in den letzten fünf, sechs Monaten in vielen von ihnen -all dieses Mitglieder- so tolle Menschen gefunden habe, ja sogar Freunde. Menschen, die mich genau jetzt am besten verstehen, auch wenn sie vielleicht nicht einmal meinen Geburtstag, meine Lieblingsfarbe, meine liebste Beschäftigung, meine Lieblingszeit im Jahr kennen oder wissen, warum ich so gerne backe. 
Aber all das, was sich in mir sonst vielleicht gesträubt hätte Zeit mit eben solchen Leuten zu verbringen, weiß, dass genau diese Leute mich jetzt verstehen, weil ich ganz einfach ein Teil davon bin. 
Uns verbindet so viel und wir alle haben dasselbe gewagt, nicht jeder aus denselben Gründen, aber wir alle sitzen mehr oder weniger im selben Boot und ich bin so unglaublich dankbar für all, diese unglaublich tollen Menschen, die ich treffen durfte, die ich auf eine ziemlich verdrehte Weise lieben und schätzen gelernt habe. 
Leute, die ich jetzt auf irgendeine Weise Freunde nenne, für die ich früher vielleicht weniger Grund gesehen hätte so etwas wie eine Freundschaft überhaupt aufzubauen. 

Und aus diesem Grund habe ich mich dafür entschieden euch genau das heute zu erzählen, auch wenn die wenigsten ebendieser Menschen meinen Blog lesen, so möchte ich mich doch bei euch allen bedanken, dass ich euch kennenlernen durfte und euch jetzt Freunde nennen darf. 
Leider habe ich nicht sehr viele Auslandsjahrfreunde mit Blogs über dieses Abenteuer, das sich Auslandsjahr nennt, aber die, die ich habe möchte ich doch mit euch teilen. 
Linnea, im -mit schrecklicher Aussprache versehenden- Skåne. 
Nina, irgendwie ziemlich in der Mitte zwischen den Grenzen. 

Und zufälligerweise sind auch genau die beiden, die Austauschschüler, die ich am längsten kenne. Komisch, wie die Zeit doch rennt. Wir kennen einander jetzt schon fast ein ganzes Jahr lang... 

Vi ses snart, 

Lea

Sonntag, 15. Januar 2017

Woche 22... Hermine Granger-Life, Essays und Minzschokolade

Hey guys,

Neues Jahr, neues Glück? Von wegen. Als ich am Dienstag wieder in der Schule angetanzt bin, tatsächlich voller Vorfreude, musste ich mit Entsetzten feststellen, dass mein wunderbarer Stundenplan einfach so über den Haufen geschmissen wurde. Irgendwer im Rektorat fand es wohl ganz lustig, da mal ein paar Striche zu ziehen und mir den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Yas, was für eine wundervolle Idee. 
(Bitte beachtet die Ironie, die um diesen Satz herum tanzt.)

Einer meiner absoluten Lieblingslehrerinnen hier -meine Englischlehrerin, eine von zweien in meinem Leben, die es geschafft hat, dass ich gerne im Englischunterricht bin- hat irgendeinen anderen Job in der Schule bekommen und uns deshalb abgegeben.
Daraufhin folgte also ein Lehrerwechsel und auch ein Zeitwechsel für die Englischstunden, die jetzt meinen ganzen Stundenplan umwerfen. Statt zwei wundervollen Tagen -Mittwoch und Donnerstag- habe ich jetzt 3 Stunden Leerzeit am Freitag, knapp 1 1/2 Stunden Pause am Mittwoch, nur eine Stunde am Montag und aus einem relativ kurzen Donnerstag wurde ein langer.
Na, yay.
Allerdings werden wir in der nächsten Woche im Klassenrat darüber sprechen, ob wir die Stunden irgendwie anders legen können, da andere aus meiner Klasse am Mittwoch um 14:20 einen Unterricht beenden und zur selben Zeit Englisch beginnen sollen, während die Räume so gut 15 Minuten auseinander liegen. Und am Donnerstag soll ich 10 Minuten lang gleichzeitig Deutsch und Englisch haben -sollen wir alle zu Hermine Granger werden oder was denkst sich der, der diesen Plan gemacht hat dabei?
Ich kann es mir jedenfalls nicht anders erklären und hoffe, dass wir Montag eine Lösung dafür finden und dass sich nach den nächsten Ferien, wenn ein Teil der Schule in ein neues Gebäude gezogen ist, sich alles wieder zum besseren ändert.

Dann habe ich diese Woche noch erfahren, dass ich ein historisches Essay schreiben soll, irgendwas über irgendeine Epoche. Allerdings funktioniert das gerade nicht so wie ich es gerne hätte, deshalb werde ich darüber noch einmal mit meinem Lehrer sprechen müssen.
Meine Klasse liest im Schwedischunterricht gerade Klassiker -ist für mich jetzt nicht ganz so einfach, das ist einfach zu hoch. Deshalb hat meine Lehrerin mir gestern vier verschiedene Klassiker aus der Bibliothek gebracht, von denen ich mir einen aussuchen sollte, da die alle zwar die klassische Geschichte enthalten, aber leichter geschrieben sind, sodass ich tatsächlich fast keine Verständnisprobleme habe und ich echt Spaß am Lesen habe. Ich lese jetzt "Therese Raquin" von Émile Zola, falls es irgendwen interessiert. Es geht um Ehebruch und Mord- echt gut soweit :).

Außerdem habe ich endlich einen schönen Kalender gefunden und mich Hals über Kopf in ein Café verliebt. Ich war erst einmal dort und es ist so gemütlich und ruhig dort, dass ich es einfach lieben musste und ich denke die Wahrscheinlichkeit, dass ich dort jemanden treffe, den ich kenne ist auch nicht ganz so groß, weil es nicht direkt dort liegt, wo Schüler ständig sind, also einfach perfekt für mich.
Und sie verkaufen Warme Minzschokolade, was so nach Kaffee und alles mit Salted Caramel eines der besten warmen Getränke ist, die es gibt *-*
Montag werde ich erneut da einschneien und die Scones testen, denn leider hatte ich am Freitag bereits Mittagessen gehabt und konnte deshalb diese nicht testen, als ich dort war, aber das werde ich auf jeden Fall noch nachholen :)
Apropos einschneien, der Schnee ist die Woche über eigentlich immer weniger geworden, dafür wurde es aber immer glatter. Nun hat es gestern Nachmittag wieder geschneit und ich denke auch in der Nacht -es war dunkel, man sieht deshalb nicht sehr viel und Straßenlaternen gibt es hier eher mäßig.

Aber jetzt mal wieder zu dem wichtigeren Kram.
Ich bin tatsächlich schon fünf freaking Monate hier!
Am Dienstag vor fünf freaking Monaten bin ich in Hamburg in dieses gruselige, kleine Flugzeug gestiegen und habe gehofft, dass wir nicht abstürzen und Freitag vor ebengenau fünf Monaten bin ich auf dieser niedlichen Insel gelandet, die jetzt irgendwie meine Heimat ist.
So richtig fassen kann ich es aber irgendwie nicht, ich meine fünf Monate. 
Das ist die Hälfe meines Aufenthaltes, das wiederum bedeutet, dass es bald zu Ende ist und das macht mich einerseits unglaublich glücklich, weil ich in fünf Monaten meine Familie und Freunde wieder in die Arme schließen kann und wieder in der schönsten Stadt von Deutschland wohne und dann heißt es aber auch Abschied nehmen von allen hier und irgendwie möchte ich das noch gar nicht. 
Es waren so wundervolle fünf Monate, in denen ich so viel lernen konnte, wachsen konnte und irgendwie scheint es so surreal fast schon wieder gehen zu müssen, obwohl ich weiß, dass ich noch fünf Monate habe, aber auch die letzten fünf Monate sind geflogen, gestockt, gerast und geschlichen.
Was gleichzeigt bedeutet, dass ich diesen Blog jetzt schon fünf Wochen mehr oder weniger regelmäßig schreibe und da bin ich irgendwie ziemlich stolz drauf und auch auf die Tatsache, dass ich bereits fünf Monate in Schweden gemeistert habe, auch wenn besonders der Dezember ziemlich hart für mich war. Ich freue mich, mich bald wieder zu melden.


Vi ses snart,

Lea


P.S. Ich habe es bei dem letzten Eintrag vergessen, deshalb: Gott nytt år! 

Samstag, 14. Januar 2017

Woche 21... Stockholm

Der Schnee glänzt weiß auf den Bergen heut Nacht, keine Spuren sind zu sehen. 
Ein einsames Königreich, und ich bin die Königin. 

Ähm, na gut. Ganz so ist es dann doch nicht. Der Schnee glänzt vielleicht auf irgendwelchen Bergen heute Nacht, aber ich sehe weit und breit keine Berge. Und der Schnee hat auch gerade erst zu tanzen begonnen. Und eigentlich bin ich auch nicht auf dem Land, eher auf dem Wasser -genaugenommen bin ich auf dem Boot. Spuren sind folglich auch nicht wirklich zu sehen, außer die, des Bootes durch das Wasser, aber die verschwinden im Nu wieder und lassen das Wasser und die Wellen zurück, die sich jagen und bekämpfen. Und das Königreich ist auch nicht wirklich einsam und selbst wenn dies' so wäre, bin ich trotzdem nicht die Königin und Wahrscheinlichkeit, dass dieser Fall je eintreffen wird ist ziemlich gering -um das zu wissen brauche ich nicht einmal irgendwelche Baumdiagramme oder Funktionen. 

Also, ich bin eigentlich auf dem Weg nach Stockholm und der Schnee tanzt mir seit ein paar Minuten um die Nase. Die Wellen schlagen an das Bot und vom Boot weg, in ihrem eigenen Rhythmus, in ihrem eigenen Klang. Hier draußen ist es ruhig und die Luft ist frisch und klar. Insgesamt fast eineinhalb Stunden habe ich hier verbracht, fern ab der Kinder, dem Geschreie und der stickigen Luft -naja, so "fernab" es auf einem Boot möglich ist. Eigentlich war geplant, dass wir das Boot am Mittwoch nehmen, welche aber die kleinen Schneeflocken kamen und es ziemlich windig sein sollte, wurden alle Fähren am Mittwoch gestrichen, deshalb sitzen wir bereits jetzt -am Dienstagnachmittag- auf der Fähre, auf dem Weg nach Nynäshamn. Da werden wir ein bisschen warten müssen, bis wir den Bus nach Stockholm Centralen nehmen können und uns auf den Weg zu meiner Gastgroßmutter machen können. 

Morgen früh hole ich Nina von der nächsten Bahnstation ab, weil ich nicht bis zur Centralen fahren wollte -ja, ich war einfach zu müde :). Von der Station machen wir uns erst einmal wieder auf den Weg zurück, um Ninas Sachen bei meiner Gastoma zu lassen und dann nach dem Frühstück den Pendeltåg Richtung Centralen zu nehmen. Im Zug treffen wir dann zwei andere Austauschschüler, die aus der Nähe von Göteborg kommen und mit denen wir im Zug verabredet waren, da sie nur ein paar Stationen von uns entfernt wohnten. Allerdings war es nicht von vornerein geplant, dass wir alle zur selben Zeit in Stockholm sind. 

Den Mittwoch haben wir in einem Einkaufszentrum verbracht, weil Moritz sein IPhone reparieren lassen musste und anschließend sind wir dann alle wieder in die Innenstadt gefahren und sind dort und auf Gamla Stan rumgelaufen, haben uns umgeschaut, die zwei Göteborg-Austauschschüler haben sich Stockholm-Pullis gekauft und abends haben wir dann den Zug gemeinsam wieder zurück genommen. 

Am Donnerstag haben wir die beiden erst gegen Mittag getroffen und sind dann zusammen in das Moderne Museum gegangen und haben uns da umgeschaut -staatliche Museen sind in Schweden für alle unter 18 Jahren kostenlos- danach waren wir gemeinsam etwas essen und haben einfach nur geredet und gelacht, so wie am Tag zuvor. Später haben wir noch eine andere Austauschschülerin getroffen, die in Stockholm wohnt und sind zusammen einen Kaffee trinken gegangen. 

Freitag sind Nina und ich nach dem Frühstück in die Mall of Scandinavia gefahren und haben im "Rae" alles Mögliche erstanden. Anschließend waren wir im Kunsträdgården Schlittschuh laufen. 
Samstag waren Nina und ich wieder in Gamla Stan, nachdem wir die Austauschschülerin, die in Stockholm wohnt besucht hatten und haben gemütlichen einen Kaffee, heiße Schokolade und ein Kuchen verspeist. Dann mussten wir uns auch bald schon wieder verabschieden und Moritz und ich haben am Samstagabend die Fähre zurück nach Gotland genommen, während Nina noch bis Montag mit ihrer Gastfamilie in Stockholm geblieben ist.

Dieses Mal habe ich aus -16°C Kälte-Gründen kaum Fotos geschossen und habe deshalb auch nicht viele, die ich euch dieses Mal zeigen kann.



Erster StarbucksKaffee seit knapp 5 Monaten :)

Gamla Stan

Tunnelbana-Station



Vi ses snart, 

Lea

P.s. Es tut mir total leid, dass ich mich jetzt erst melde. Am Sonntag war ich so platt, dass ich keinerlei Kraft zum Schreiben hatte und die Woche über habe ich dann immer mal wieder was geschrieben, hatte aber nie so richtig Zeit es fertig zu stellen